Interview mit dem Sutton-Verlag

SuttonVerlagHabt Ihr Euch auch schon mal Gedanken gemacht, wie so ein Buch entsteht? Was so hinter den Kulissen abläuft? Klar, denkt man da zuerst an den Autor, doch was dann? Wie kommt dann ein fertiges Buch raus und zu mir? Ich hab mich das alles gefragt und habe sogar Antworten erhalten. Und zwar von Olivia Schrumpf vom Sutton Verlag. Vielen vielen Dank an der Stelle und nun direkt zum Interview.

1. Als Leser habe ich mich schon oft gefragt, wie ein Buch entsteht. Klar muss der Autor erst mal eine Geschichte schreiben und dann gibt es einen Lektor der Korrektur liest – aber dann? Wäre es möglich eine kleine Aufstellung zu bekommen?

Wir bekommen im Monat etwa 15-20 Krimimanuskripte zugesandt. Diese werden dann vom Lektorat geprüft. Wenn wir uns für ein Buch entscheiden, nehmen wir Kontakt mit dem Autor auf und schließen einen Buchvertrag mit ihm ab. Wenn das Manuskript keiner weiteren Bearbeitung durch den Autor bedarf, geht es direkt ins Lektorat und durchläuft hier eine inhaltliche und formale Überarbeitung. Nach dem fertigen Lektorat geht das Manuskript in die Produktionsabteilung, die den Text ins passende Format setzt und eine Druckfahne erstellt. Die Produktion entwirft und gestaltet im Vorfeld auch bereits das Buchcover. Die Druckfahne und der Coverentwurf gehen dann zum Autor, der alles noch einmal überprüft und Korrektur liest. Gewünschte Änderungen, Fehler etc. leitet der Autor dann ans Lektorat weiter, das in Zusammenarbeit mit der Produktion die letzten Änderungen in der Druckfahne vornimmt. Das druckfertige Manuskript wird elektronisch an die Druckerei übermittelt und kommt, je nach Druckerei und Aufwand, nach vier Wochen als gedrucktes Buch in die Läden.

Puh, da steckt aber echt jede Menge Arbeit dahinter. Hätte ich jetzt nicht ganz so geglaubt.

2. Sie haben oft sehr erstklassige Krimis im Angebot (zumindest habe ich noch keinen schlechten vom Sutton-Verlag gelesen). Wie kommen Sie an neue Autoren?

Zum einen gibt es eine Menge Autoren, die ihren fertigen Krimi gleichzeitig an eine Reihe von Krimiverlagen schicken. So erreichen uns fast täglich neue Manuskripte. Zum anderen sind viele unserer Autoren in Organisationen wie dem „Syndikat“ oder den „Mörderischen Schwestern“ aktiv. Da funktioniert viel über Empfehlung.

3. Diese Frage hängt mit den beiden anderen zusammen. Wie wird eigentlich ein Manuskript eingereicht. Als eine Art bessere Inhaltsangabe oder eher als fast komplette Geschichte? Oder ganz unterschiedlich?

 Um die Vielzahl der eingesandten Manuskripte effektiv bewältigen zu können, benötigt der Lektor ein Exposé mit einer kurzen Inhaltsangabe, einer Skizze der handelnden Personen sowie eine kurze Biografie des Autors. Damit kann er sich einen guten Überblick über die Qualität des Textes verschaffen. Wenn dieser dann in die engere Auswahl kommt, fordert der Lektor das komplette Manuskript beim Autor an.

4. Der Sutton-Verlag hat ja meist Krimis im Angebot. Moderne, aber auch historische. Gebt ihr teilweise die Themen vor? Also wenn sich ein Buch mit einem bestimmten Ermittler gut verkauft – dass dieser auch wieder in Erscheinung tritt?

Die Themen für die Krimis werden nicht von uns vorgegeben. Da haben die Autoren freie Hand. Einzig der Bezug zu einer Region oder einem Ort muss gegeben sein. Aber natürlich sprechen wir mit unseren Autoren auch über mögliche Nachfolgebände mit Ermittlern, die beim Publikum besonders gut ankamen und ermutigen sie zum Fortführen der Geschichte. So geschehen jetzt bei unserer Krimiautorin Kerstin Hamann. Soeben ist „Innere Werte“ erschienen, der zweite Band um ihren Wiesbadener Ermittler Martin Sandor.

5. Wie verhält es sich mit Euren Autoren, wenn diese mal ein anderes Genre ausprobieren wollten – wie etwa einen Liebesroman? Läuft das dann unter „Privatvergnügen“?

 Wir nehmen immer jeweils nur einzelne Buchprojekte unter Vertrag, nicht den Autor an sich. Dieser kann sämtliche Genre ausprobieren und seine fertigen Manuskripte den Verlagen anbieten, in deren Programm sie passen. Es ist üblich, dass Autoren mit mehreren Verlagen zusammenarbeiten. Auch wenn es bei den Bestsellerautoren anders aussieht. Auf Grund unserer Programmausrichtung veröffentlichen wir nur regionale Krimis und historische Romane mit regionalem Bezug. Mara Laue z.B. veröffentlicht bei uns ihre Regionalkrimis und in einem anderen Verlag ihre Fantasy-Romane.

Das war mir nun total neu und ich finde es sehr interessant, dass Autoren teilweise mit mehreren Verlagen zusammenarbeiten

Nun noch ein paar Fragen direkt zum Sutton-Verlag

Ich kenne nun ja einige Bücher von Euch (4 habe ich schon gelesen, einige liegen noch auf meinem SUB). Es sind meist sehr gute Krimis, die zwar offiziell als „Regionalkrimi“ laufen, wie etwa Wilhelmshaven-Krimi, doch bei denen ich meist keinen sehr starken regionalen Bezug sehe. Denn einen Handlungsort braucht jede gute Geschichte.
Jetzt ist es so, dass in meiner Region der Suttonverlag nicht in den Buchgeschäften zu finden ist. Auf meiner Nachfrage hin, wurde ich darauf verwiesen, dass Ihr hauptsächlich Regionalkrimis vertreibt, die nicht in unserer Gegend spielen und somit uninteressant wären.
Dem möchte ich jetzt mal eindeutig widersprechen, trotzdem hätte ich gerne dazu gewusst:

6. ist das Absicht?, Wenn ja warum? Liegt es am Vertriebssystem?

 Du hast natürlich recht. Eigentlich kann man alle Regionalkrimis, nicht nur unsere, mit Interesse und Vergnügen lesen, ohne selbst einen regionalen Bezug zu haben. Denn irgendwo müssen die Geschichten ja spielen.
Und natürlich würden wir uns sehr freuen, möglichst viele unserer Krimis auch bundesweit im Buchhandel unterzubringen. Leider ist das als kleiner bis mittlerer Verlag schwierig umzusetzen. Es ist schlicht so, das z.B. ein Rostock-Krimi auch zumeist nur in den Rostocker Buchhandlungen auf Interesse stößt. Es sei denn, Jörg Maurer oder Nele Neuhaus würden die Region wechseln.
Regionalkrimis aus kleinen Verlagen von zumeist unbekannten Autoren, die nicht die eigene Region betreffen, sind somit so gut wie nie in den nationalen Buchhandlungen flächendeckend unterzubringen. Jedoch informieren wir alle Buchhandlungen zweimal im Jahr mit unseren Frühjahrs- und Herbstprogrammen über alle Krimineuerscheinungen und lieferbaren Titel und arbeiten hart daran, unsere Krimis weit zu streuen.

Das finde ich nun sehr schade, vor allem, weil mir persönlich Jörg Maurer so gar nicht zusagt. Aber nun ja anscheinend ist das leider wirklich so. Ich hoffe nur, dass möglichst viele Buchhandlungen Euren Katalog und meinen Blog lesen :-)

7. Zur Regionalität – Ihr habt kaum Bayern im Angebot. Warum? Sind gerade in Oberbayern zu viele Mitbewerber unterwegs, denn an regionalen Krimis mangelt es hier ja nicht…. Oder hat es sich einfach nur noch nicht ergeben?

Es hat sich tatsächlich einfach noch nicht ergeben. Da wir mehr auf Qualität statt auf Quantität setzten, ist unser Ziel die Produktion von spannenden Regionalkrimis und nicht das Abdecken sämtlicher Großstädte und Regionen in Deutschland mit Regionalkrimis ungeachtet deren Qualität.

8. Ihr beschreitet ja auch im Vertrieb einen eigenen Weg. Ihr seid gerade bei Blogs und Buchportalen sehr aktiv. Wie sind denn Eure Erfahrungen damit? Was könnten wir Blogger noch besser machen, bzw. worüber würden Sie sich und ihre Kollegen denn freuen?

Wir haben tatsächlich bisher nur sehr gute Erfahrungen mit Blogs und Buchportalen gemacht. Gerade für kleine Verlage sind diese Formen der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketings unersetzlich geworden. Sie bieten die einmalige Chance, die Bücher direkt der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Besonders das direkte Feedback der Leser und Rezensenten ist sehr wichtig für uns. Die Begeisterung der Leute bei Leserunden etc. ist großartig und ein guter Ansporn für uns, weiter zu machen. Es ist einfach schön zu sehen, dass man die Menschen mit seiner Arbeit begeistern kann und dass es richtige Fans unserer Sutton Krimis gibt.
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten Blogger schon sehr professionell arbeiten und versuchen, die Bücher zeitnah zu besprechen. Wir freuen uns immer wieder, wenn uns direkt Mails mit den Rezensionslinks zugesandt werden. Bei der Menge der Rezensionsexemplare können wir nicht immer überall ein Auge darauf haben, wann wer eine Besprechung veröffentlicht.

Das freu mich sehr, dass ihr es so seht und gleich ein Aufruf an meine Mitblogger – immer daran denken, einen Link auch an den Verlag zukommen zu lassen. Vielleicht reicht ja auch ein Hinweis auf deren FacebookPinnwand

9. Die Cover von Sutton Belletristik sehen wie aus einem Guss aus. Trotzdem schaffen Sie es, dass sich die Bücher und Autoren deutlich unterscheiden. Herzlichen Glückwunsch dazu. Wie entsteht denn eigentlich ein Cover? Und wie stehen Sie zu der Diskussion, dass ein Titelbild leicht abgewandelt für mehrere Bücher verwendet wird?

 Vielen Dank für das Lob. Wir freuen uns sehr, dass das Design bei den Krimifans so gut ankommt. Die Krimicover werden bei uns in der Produktion erdacht und umgesetzt. Passend zum Inhalt des Buches wird hier per Bildbearbeitungsprogramm ein Motiv entwickelt oder ein eigenes Foto erstellt und gestalterisch dem Corporate Design unserer Krimi-Reihe angepasst. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Ein Titelbild für mehrere Bücher? Hier steht zu befürchten, dass dem Leser die Unterscheidung schwer fällt. Nachfolgebände werden dann eventuell nicht als solche erkannt, was die Vermarktung schwieriger macht.

Schön, dass ihr es auch so seht, denn wir Leser ärgern uns doch schon auch darüber.

10. Noch eine interessante Frage zum Schluss. Bis jetzt bin ich noch kein E-Book Freund. Andere hingegen sind ganz begeistert. Sie haben beides im Angebot. Doch wie stehen Sie dazu? Wird das E-Book auf Dauer gewinnen oder ist es die gleiche Frage ob Hardcover oder lieber Taschenbuch?

 Ich persönlich denke nicht, dass das E-Book das gedruckte Buch vollständig ersetzen wird. Dazu hängt das Land der Dichter und Denker zu sehr am Kulturgut Buch. Und dazu hängt bei vielen Leseratten die Liebe zum Buch auch zu sehr mit der sinnlichen Erfahrung des Lesens zusammen. Aber das E-Book bietet viele Vorteile. Es ist innerhalb von Sekunden überall, wo man online gehen kann, verfügbar, nimmt keinen Platz im Regal weg, wiegt nichts…Man kann komplette Bibliotheken mit auf Reisen nehmen…Ich denke aber, auf Dauer werden sich beide Arten des Buches halten und ihre Liebhaber finden.

So und nun ist noch Platz für Werbung. Wo kann man überall den Sutton-Verlag finden?

Den Sutton Verlag, speziell Sutton Krimi findet man im Internet mittlerweile bei Facebook, Twitter, YouTube und Lovelybooks. Natürlich gibt es neben den Social Media-Aktivitäten auch noch die Seiten http://www.suttonverlag.de/ und http://www.sutton-belletristik.de/. Hier kann man auch direkt beim Verlag unsere Bücher online bestellen. Alle Titel sind natürlich auch in jeder guten Buchhandlung bestellbar oder über alle üblichen Buchverkaufskanäle erhältlich.

Auch auf den zwei großen jährlichen Buchmessen begrüßen wir gern unsere Leser, neue Autoren, Journalisten etc.

So, und nun noch ein paar Bücher, die im Gespräch angesprochen wurden, und die ich bereits gelesen habe, oder die auf meinem SUB/Wuli stehen

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7 Kommentare bis “Interview mit dem Sutton-Verlag”

  1. Sabienes sagt:

    Tolles Interview, das hat bestimmt Spaß gemacht!
    Kleine Kritik mal am Rande: Du hast die Antworten mit einer Grafik hinterlegt, so dass sie nur noch schwer lesbar sind.

    LG
    Sabienes

  2. Iris sagt:

    Hi Mella,

    das ist ein unglaublich interessantes Interview. Ich würd gerne noch wissen, ob du direkt im Verlag warst oder wie ihr miteinander kommuniziert habt. So eine Besichtigung vor Ort ist doch bestimmt auch total spannend. Vielleicht kannst du sowas ja auch mal für Buchkritik machen.

    Bei der kleinen Kritik von Sabienes schließe ich mich an. Die Sprechblasengrafik ist zu unruhig und erschwert die Lesbarkeit. Bin froh, dass das schon jemand anders festgestellt hat, den meine Augen sind leider nicht so, wie ich sie gerne hätte…. Grundsätzlich finde ich es aber gut, die Antwroten irgendwie optisch abzusetzen.

    LG Iris

    • Mella sagt:

      Hi Iris,
      nein ich war noch nicht in einem Verlag drin und wenn, dann gäbe es sicher jede Menge Fotos oder sogar ein Video.
      Trotzdem fand ich das Thema einfach interessant und ich habe mich oft gefragt, wie es da so abläuft.

  3. Funkelfaden sagt:

    Schönes Interview. Ich lese unglaublich gerne Bücher aus dem Sutton Verlag und habe dort auch eine meiner Lieblingskrimireihen von Gunnar Kunz (Kriminalromane aus dem Berlin der Weimarer Zeit) kennengelernt. Falls du die noch nicht gelesen hast, würde ich sie dir empfehlen.

    Liebe Grüße

    • Mella sagt:

      Der liegt schon auf meinem SUB und schiebt sich langsam aber sicher immer weiter vor. Hab auch schon gehört, dass die super sein sollen. Aber bis jetzt waren alle Bücher vom Sutton-Verlag gut. Ehrlich – einer meiner Lieblingsverlage.

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