Interview mit Iny Lorentz

Hinter Iny Lorentz verbirgt sich ein Autoren-Ehepaar, welches sehr gute und spannende historische Romane schreibt.

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Quelle Iny Lorentz, www.fotostudio-berger.de info@fotostudio-berger.de

Einige, wie etwa die Wanderhure oder  Die Rache der Wanderhure wurden bereits verfilmt und auch ansonsten erfreuen sie die anderen Bücher auch großer Beliebtheit. Ich hatte das große Glück Iny Lorentz (also beide) auf dem DeLia-Treffen in Grassau kennen zu lernen und sogar ein paar Worte zu wechseln. Auf meine schüchterne Anfrage bezüglich eines Interviews kam ein spontanes und nettes Ja und nun sitze ich hier vor dem Computer und frage mich, was ich fragen soll, was nicht schon von Zeitschriften und wichtigeren Personen vor mir gestellt wurden. 

Ganz einfach, das was mich wirklich interessiert.

Ich fange jetzt mit Fragen zum Buch, und Film an und komme dann zum  allgemeineren Teil ;-)

1. Die Wanderhure und Die Kastellanin als Die Rache der Wanderhure wurden ja bereits erfolgreich verfilmt und nicht nur mir, sondern auch meinem Mann und den Kindern gefiel der Film sehr gut.  Wie ist das eigentlich für einen Autor, wenn das Buch verfilmt wird. Durften Sie ggfs. in diesen künstlerischen Prozess eingreifen, oder können Sie eine eventuelle Abänderung Ihres Buches ganz locker sehen?

Buch und Film sind zwei völlig unterschiedliche Medien. Im Film hat man nicht die Zeit, eine Figur langsam aufzubauen und entsprechende Nebenstränge zu entwickeln. Uns war daher von Anfang an klar, dass ‚Die Wanderhure‘ als Film anders sein würde. Die Drehbuchautorin Gabriele Kister und Regisseur Hansjörg Thurn haben sich auf die wesentliche Aussage des Romans konzentriert und diesen in einem spannenden und emotionalen Film ungesetzt. Wir waren sogar überrascht, wie eng sich die beiden an unsere Kerngeschichte gehalten haben.

‚Die Kastellanin‘ wurde bereits im Vorfeld als schwer verfilmbar bezeichnet, da die Geschichte weiter gespannt ist als ‚Die Wanderhure‘. Daher hat man sich auf Maries Suche nach Michel konzentriert und die Spannung durch das Auftauchen des alten Feindes erhöht. Wir haben von Anfang an gesagt, macht einen guten Film daraus, der den Fernsehzuschauern gefällt. Das Gleiche gilt auch für die Verfilmung von ‚Das Vermächtnis der Wanderhure‘, deren Dreharbeiten eben zu Ende gehen.

 

2. Apropos Wanderhure. Sie greifen hier ein Thema auf, welches ja gerne verschwiegen wird. Das harte Leben von Frauen und Mädchen, gerade auch im Mittelalter, die oft unpopuläre Entscheidungen treffen müssen, um selbst zu überleben oder ihre Familie zu versorgen. (Tolle Frauen, wie ich finde) Auch den Weg der Wanderhure wurde manchmal gewählt. Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen und hat es auch Moralapostel hervorgerufen?

Bei der Wanderhure stand ein Ausspruch des Minnesängers und Diplomaten Oswald von Wolkenstein Pate, der sinngemäß lautete „Als wir (die Konzilsteilnehmer) nach Konstanz kamen, gab es dort drei Hurenhäuser. Als wir gingen, nur noch eines, aber das reichte von einem Stadttor zum anderen.“ Dieser Spruch hat Iny nicht mehr losgelassen und sie drängte darauf, nachzuforschen, wieso eine saturierte Stadt moralisch so niedergehen konnte. Daher sind wir nach Konstanz gefahren und haben uns dort mit allem erreichbaren Material über das Konzil einschließlich der Stadtchronik versorgt. Daraus entstand dann die Wanderhure. Wir haben  in der Chronik sogar den Aufstand der Huren gefunden und als Höhepunkt in unserem Roman verwendet.

Natürlich hat der Roman auch ‚Moralapostel‘ auf den Plan gerufen und es gab einige Beschimpfungen. Dabei geht es in vielen anderen Romanen, vor allem in zeitgenössischen, weitaus schlimmer und härter zu. Aber die Vergangenheit vor eben von vielen Leuten glorifiziert und man will nichts Schlechtes darüber hören oder lesen.

 

3.Von Elmar habe ich gelesen, dass Sie viel Recherchieren und das Konzept zu dem Buch entwickeln. Wie viel ist Fantasie und in wie weit lassen Sie sich von wahren Begebenheiten beeinflussen?

 Die Historie bietet so viele unerwartete Gelegenheiten, dass man mit der Fantasie sehr vorsichtig sein muss. Auch wenn die Hauptpersonen unserer Romane erfunden sind, müssen sie in ihre Zeit und die jeweiligen geschichtlichen Hintergründe eingepasst werden. Zwar lassen wir unsere Protagonisten an geschichtlichen Ereignissen mitwirken, doch das Ergebnis muss mit der Historie übereinstimmen.

 

4. Besuchen Sie eigentlich die Schauplätze Ihrer Romane im Vorfeld?

 Wenn es möglich ist, suchen wir die Schauplätze auf. Teilweise greifen wir auch auf frühere Besuche zurück. Können wir ausnahmsweise nicht hinfahren, besorgen wir uns Film- und Bildmaterial der entsprechenden Orte und Gegenden, um alles möglichst authentisch beschreiben zu können.

 

5. Sie wirken beide sehr nett und bodenständig, ohne Starallüren. Dennoch gehören Sie mittlerweile zu den Top-Autoren im Bereich der historischen Romane. Was hat sich hier alles geändert? Stellen wir Leser uns zu viel Glamour vor?

Es mag Autoren geben, die Glamour lieben. Uns selbst interessiert er wenig. Er würde uns auch beim Schreiben stören. Wir leben so, wie wir immer gelebt haben und gehen wie einst als brave Angestellte unserer Arbeit nach. Das ist für uns wichtig, nicht der Schein der großen Welt.

 

6. Als Autorenehepaar, kennen Sie die Frage nach der gemeinsamen Arbeit und wie es im Alltag funktioniert zu genüge und ich stelle sie deswegen nicht nochmal. Aber ich hätte gerne gewusst, welche Tipps und Erfahrungen Sie zur Arbeitsteilung weitergeben können, Denn diese ist mir direkt aufgefallen, und vor allem weil jeder seine Aufgabe hat, aber es total Hand in Hand geht. So eine Zusammenarbeit ist ja nicht selbstverständlich.

 Wir arbeiten seit dreißig Jahren so zusammen. Damals haben wir Kurzgeschichten für Anthologien geschrieben. Mal war der Herausgeber mit dem Anfang von Elmars Geschichte nicht einverstanden, mal missfiel ihm das Ende von Inys Story. Wir haben uns dann gegenseitig geholfen, sprich auch die kritisierten Teile für den anderen neu geschrieben. Als wir dann sahen, dass der Anthologist mit diesen gemeinsam erarbeiteten Geschichten zufrieden war, beschlossen wir, in Zukunft immer zusammenzuarbeiten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

 

7. Ein Teilbereich der Arbeitsteilung lautet so: Elmar recherchiert, entwickelt das Konzept und leistet alle Vorarbeiten. Dann kommt Iny und schreibt das Buch genau 5 mal um. Genau 5 mal? Richtig? Entschuldigen Sie die Frage, doch was genau und nach welchen Gesichtspunkten schreiben Sie um? Ich als „Spontanschreiber“ werde mit jeder Überarbeitung lustloser und rede mir gerne ein, dass mein Text jedes Mal schlechter wird. Können Sie ein Beispiel nennen?

Es geht dabei in erster Linie um die leichte Lesbarkeit der Romane. In all diesen Arbeitsgängen feilen wir daran, den Text flüssiger zu gestalten, Längen herauszufiltern und den Roman so kompakt wie möglich zu machen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass dies in fünf Schritten am besten geht. Mit dieser letzten Fassung sind wir beide gleichermaßen zufrieden. Unsere Agenturlektorin meinte einmal, Iny könnte es doch bei vier Überarbeitungsgängen belassen. Wir haben sofort gemerkt, dass dann das letzte i-Tüpfelchen fehlt, und wie gewohnt weitergearbeitet.

 

8. Sie waren beide auf dem DeLia-Treffen und beim Literaturfest in Meissen. Sind also Lesernah und wie ich selbst auch feststellen konnte sehr zugänglich. Wie schätzen Sie das Verhältnis Leser-Autor-Blogger ein. Gibt es hier Hemmschwellen, was würden Sie sich wünschen?

Blogger geben ihren Eindruck von den Romanen, die sie lesen, unvermittelt weiter. Als Autor erkennt man rasch, wem das Genre und der eigene Schreibstil liegt, und merkt, ob das Thema, das man gewählt hat, ankommt. Da wir uns sehr gerne in unterschiedlichen Zeiten und Ländern tummeln, gilt es, den Geschmack unserer Kernleserschar zu treffen. Deshalb sind für uns neben Bloggern auch Gespräche bei Lesungen sehr wichtig.

 

9. Unter anderen Synonymen veröffentlichen Sie auch Bücher. Neben Thrillern auch Fantasy. Wie schaffen Sie es die Bücher in so hoher Qualität und in der Menge in so kurzer Zeit unter zu bringen, vor allem, da Ihre Bücher in der Regel auch nicht besonders dünn sind?

Das Zauberwort lautet Disziplin. Wir setzen uns jeden Tag vor unsere Computer und arbeiten an unseren Romanen. Viel freie Zeit bleibt dabei nicht für uns, aber das stört uns wenig. Wir tun das, was am meisten Freude bereitet, nämlich uns Geschichten auszudenken und aufzuschreiben, bzw. zu überarbeiten.

 

10. Arbeiten Sie in anderen Bereichen so ähnlich zusammen oder sind dann z.B. die Thriller ein „eigenes Ding“

Wir arbeiten bei allen Genres in gleicher Weise zusammen. Dies ist für uns ein großer Vorteil, da wir beide unser Wissen und unsere Vorstellungen einbringen können.

 

Eine Frage meiner Kinder (für alle Schüler stellvertretend): Wie waren Ihre Noten in Deutsch?

Inys Noten waren bei den sprachlichen Fächern Latein und Deutsch sehr gut. Elmar war in Deutsch guter Durchschnitt. Ihn sollte man eher nach seinen Noten in Religion und Geschichte fragen (Sehr gut!)

 

Und nun noch Platz für Werbung. Wo findet man Iny Lorentz (Facebook, Twitter und natürlich Webseite) (Und wenn gewünscht auch die Synonyme)

Facebook und Twitter sind nicht unser Ding, da wir nicht über die Zeit verfügen, um uns in die Materie einzuarbeiten und dann auch aktiv zu sein. Dafür besitzen wir eine private Homepage, die in gewissen Abständen aktualisiert wird. Sie lautet: iny-und-elmars-romane.de. Dazu gibt es noch die Verlagshomepage iny-lorentz.de, die von Droemer-Knaur geführt wird und für die wir gelegentlich ebenfalls Texte schreiben.

 

Nochmals vielen vielen Dank an Iny und Elmar für das ausführliche und schöne Interview. Die Antworten finde ich sehr interessant 

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10 Kommentare bis “Interview mit Iny Lorentz”

  1. Funkelfaden sagt:

    Ich habe schon so viele Iny Lorentz Bücher gelesen, wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass dahinter ein Autorenpaar steckt und nicht eine einzelne Person. Erstaunlich, wie man mit solcher Perfektion zusammenarbeiten kann. Und die Sache mit der Disziplin ist wohl der Punkt, bei dem es bei vielen scheitert. Das Schriftstellerleben stellt man sich als Außenstehender ja immer so entspannt vor, aber wenn ich das so höhere, bleibe ich doch lieber beim Bücherlesen, statt selbst mal einen Stift in die Hand zu nehmen ;)

  2. Iris sagt:

    Ein sehr interessantes Interview. Der Name war mir ein Begriff, aber ich wusste nicht, dass sich dahinter ein Paar verbirgt und hahe auch noch nie etwas von ihnen gelesen, weil mir die sehr historischen Themen nicht so liegen. Vielleicht finde ich einen Einstieg über die Thriller. Kannst du da vielleicht Synonyme oder Titel nennen?

  3. Diamantin sagt:

    Sehr interessant. Ich hab schon Bücher von ihnen gelesen.
    Danke für das Interview.

    Lg Anett

  4. Bibilotta sagt:

    WOW…ein klasse Interview. Dass die beiden so Hand in Hand miteinander arbeiten hätte ich nicht gedacht. Auch dass sie ausserhalb Historik schreiben, ist mir neu. 5mal überarbeiten, wow, da fällt mir nichts mehr zu ein. Aber das Endergebniss hat mich persönlich bisher immer sehr überzeugt. Ich finde den Kurzeinblick in das Hintergrundgeschehen wirklich klasse und danke dir liebe Mell für das tolle Interview.
    Und noch stolzer macht es mich jetzt, die Ketzerbraut signiert in meinen Händen zu halten. Ich werde die Hompages auf jeden Fall mal noch unter die Lupe nehmen und schauen, hinter welchen Synonymen die beiden Stecken ;)

    Liebe Grüße
    Bibilotta

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