Remitenten – Mangelexemplare

Ich habe nichts gegen Mangelexemplare. Nein im Gegenteil. Auf so einem Grabbeltisch bin ich viel eher bereit auch mir unbekannten Autoren eine Chance zu geben. Nicht zuletzt habe ich mir so einige Schätze eingefangen und habe nunmehr weitere Bücher dieser Autoren erworben.

Auch ist es doch so, dass man sonst nur schwer an kostengünstige Bücher kommt und in der Bibliothek findet man auch nicht immer alles.

Kennzeichnung der Bücher

Um als Mangelexemplar zu gelten und somit aus der deutschen Buchpreisbindung herauszufallen, muss ein Buch „beschädigt“ sein. Oft hat ein Stempel oder simpler Filzstiftstrich an der Buchunterseite genügt und das Buch konnte nun günstiger verkauft werden.

Doch seit einiger Zeit beobachte ich eine Unart, die mir langsam aber sicher gegen den Strich geht. Und zwar wird die Buchrückseite mutwillig beschädigt. Und zwar am liebsten mit mehreren tiefen Kratzern, so dass de Umschlag beschädigt ist. Klar, logischerweise ist der Inhalt immer noch heile, doch beim Lesen habe ich immer die Finger an den „Wunden“ und  -nein es gefällt mir nicht. Gar nicht.

Warum Mängelexemplar

Ganz einfach. Manche Bücher verkaufen sich nicht wie erhofft und/oder es wird Platz für neue Bücher benötigt. Zwar können viele Buchhändler ihre Bücher wieder an den Verlag zurück geben (sofern sie entsprechende Verträge haben). Doch auch dort sind sie wahrscheinlich kaum Willkommen.

Warum also nicht günstiger verkaufen. Vielleicht kann man ja doch den einen oder anderen Leser dafür begeistern. Doch leider gibt es ja in Deutschland die Preisbindung in Deutschland. Und deshalb dürfen Bücher nicht einfach reduziert werden. Nun ist der Handel dazu übergegangen diesen netten Stempel „Mängelexemplar“ zu nutzen. Egal ob nun ein Mangel vorliegt oder nicht. Nach einem Gerichtsurteil (OLG Frankfurt am Main vom 26. Juli 2005, Az.: 11 U 8/05 (Kart)) ist dies so leider nicht zulässig.

Daher wird anscheinend nun dazu übergegangen einen wirklichen Mangel herzustellen, und zwar in dem man das Buch sichtbar und nicht wieder heilbar beschädigt.

Gründe für diese Praxis

Wenn man in Wikipedia schaut, wird beim Stichwort Mängelexemplar ein Grund genannt, warum Mängelexemplare sehr unbeliebt seien. Angeblich würden dann die Käufer abwarten und lieber darauf spekulieren das gewünschte Buch als Mängelexemplar zu erwerben, als den Normalpreis zu zahlen.

Meine Meinung

Ich finde diesen „Grund“ als vollkommener Quatsch. Weil ich darauf spekulieren würde ein Buch günstiger zu erwerben. Und zwar genau das Buch. Die Wahrscheinlichkeit ist ja wohl mehr als nur gering. Vielmehr ist es doch so, dass mich auf so einem Wühltisch der Titel/Cover/Rückklappentext anspricht und ich deshalb das Buch mitnehme. Auch ist man bei einer meist überschaubaren Menge an Büchern eher bereit zu stöbern, als beim Buchhandel selbst, wo es einfach viel zu viele Bücher gibt. Zu guter Letzt bin ich bereit auch viel eher einem Buch eine Chance zu geben, wenn es etwa 3 – 4 € kostet, als wenn ich etwa das dreifache hinlegen muss.

Allerdings ist mir auch klar – und es ist so wie es ist – für 3 € kann kein Verlag/Autor ein Buch produzieren. Das sollte uns wohl auch allen klar sein. Doch wenn ein Teil der Bücher eh nicht verkauft wurde – warum dann nicht günstiger abstoßen und noch folgende Vorteile mitnehmen:

  • ein Teil der Kosten kommt zumindest wieder rein
  • es fallen keine Kosten für die Entsorgung an
  • Vielleicht entdeckt Jemand einen Autor für sich neu und kauft dann andere Bücher von ihm zum Normalpreis

Also das ist meine Meinung. Zudem – wenn ich ein Buch möchte, dann möchte ich es und kaufe auch zum Normalpreis. Die Mängelexemplare landen zusätzlich bei mir zu Hause und nicht stattdessen.

Wie ist es bei Euch so? Seht ihr es genauso. Fällt Euch eine Lösung ein, wie man ein Buch beschädigen kann, ohne es wirklich kaputt zu machen? Ecke abknapsen, Knicke?

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8 Kommentare bis “Remitenten – Mangelexemplare”

  1. Iris sagt:

    Ich finde es ehrlich gesagt erbrämlich, dass so ein Gesetz wie die Preisbindung, Buchhändler zu solchen Methoden wie dem absichtlichen Beschädogen greifen lässt. Nicht jedes Gesetz ist wirklich sinnvoll und ha tmir Marktwirtschaft in meinen Augen hier nichts mehr zu tun. Insofern bin ich für eine Aufhebung der Preisbindung, habe mir aber ehrlich gesagt noch keine Gedanken darüber gemacht, was an der Preisbindung denn positiv ist. Mir fällt da immer nur der Vergleich mit den Festpreisen in der DDR ein, der nicht unbedingt für sich spricht.

    • Mella sagt:

      ich akzeptiere es ja, dass Bücher ja auch Geld kosten müssen und mir ist es so ehrlich im Moment viel viel lieber, als das was in der Musikindustrie abläuft. Also lieber nicht meckern, sondern es so akzeptieren wie es ist.

  2. Iris sagt:

    Trotzdem: Bücher mutwillig beschädigen? Geht gar nicht!

    • Mella sagt:

      Da bin ich ja auch der Meinung. Und wenn schon beschädigen, dann bitte so, dass man als Leser damit leben kann, wie etwa ein Eck von der ersten Seite abschneiden. Das wäre doch sicher besser.

  3. Mendigo sagt:

    Oh nein! Wie weit gehen Buchhändler? – Auch i-ich habe nichts gegen Mängelware – ein Buch muss sogar gelesen aussehen (oh Gott ich stottere) – aber absichtlich kaputtmachen nein nein .

  4. Susanne sagt:

    Na ganz toll (sarkastischer Unterton)! – Irgendwie werden wir Menschen immer verrückter. Auch finde ich schade, dass wir so richtige Billig-Jäger geworden sind – ich habe immer wieder den Eindruck, dass nur, weil etwas billig oder gar umsonst ist, ist es gut. Natürlich ist mir auch klar, dass ich wohl finanziell eher zu den besser gestellten gehöre und es für mich natürlich leichter ist, einfach mal „normale“ Preise für Bücher zu zahlen. Es gibt jedoch auch viele Möglichkeit an Bücher günstiger auf diversen „Tauschbörsen“ zu kommen. Was mich aber erschreckt hat ist, die Tatsache, dass auch einige, die sich durchaus die „normalen“ Preise leisten können – zu solchen Möglichkeiten greifen.
    Ich gestehe, ich habe da vielleicht eine eigenartige Meinung: wenn man sich etwas leisten kann, soll man das Geld auch ausgeben. – Denn wenn alle so denken und nur die billigen, gebrauchten und günstigeren Dinge kaufen, dann gibt es irgendwann die neuen Dinge nicht, die dann günstiger als „gebrauchte“ Dinge verkauft werden können.

    Aber gerade Dinge, speziell Bücher, absichtlich zu beschädigen sollte es nicht sein.

    • Mella sagt:

      Ja, wir sollten Leistung schon so anerkennen, dass wir auch dafür bereit sind zu zahlen. Von einem netten Danke und einem feuchten Händedruck ist noch Niemand satt geworden.

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