Ich schreibe ein Buch – Lektorat


Seit einigen Jahren bin ich nun schon Blogger und schreibe mal mehr oder weniger, aber doch fast täglich. Ich veröffentliche meine Texte, auch wenn nur ein begrenztes Publikum mitliest.

Um Wortwahl, Satzstellung und Rechtschreibung mache ich mir meist kaum oder nur wenige Gedanken, wohl weil meine Rechtschreibung an sich gar nicht so schlecht ist. Wortwiederholungen – kommen vor und haben mich irgendwie nie beschäftigt. Auch habe ich gehört, dass ich gar nicht so schlecht schreibe, also was meinen Schreibstil betrifft. Daher fand ich die Frage höchst interessant:

Braucht man ein Lektorat?

Denn ein Lektorat kostet in der Regel erst mal Geld. Und ein junger Autor, der noch kein Buch verkauft hat, überlegt es sich doch drei mal, ob er Geld in ein Lektorat investiert, wenn er gar nicht weiß, ob dieses Geld auch wieder rein kommt?

Wie Lektorat kostet Geld? Bei den großen Verlagen wohl sicher nicht. Die lasse ich mal außen vor. Doch habe ich vereinzelt von Verlagen gehört, die es dem Autor überlassen ein Buch zu lektorieren oder nicht. Das sind leider wohl auch meist Verlage, denen es egal ist, ob sich ein Buch wirklich gut verkauft oder nicht, sprich sie investieren von sich aus auch kaum in Werbung.

Oder wie bei mir – momentan überlege ich ja selbst zu veröffentlichen und nun stand hier auch die Frage im Raum, ob ich mein Buch lektorieren lasse.

Nein, mache ich nicht

Es ist ein Nischenbuch, es interessiert sowieso keinen und ich bin es ja gewohnt zu schreiben, denn ich bin ja Blogger und veröffentliche fast täglich Texte im Internet.

HAAAALLLLTTTTT! Was wäre das für eine Berichterstattung, wenn ich das weg lasse?

Okay, ich habe dann ganz lieb bei einer mir bekannten Lektorin angefragt, ob sie mal einen Blick auf mein Buch werfen möchte. Hat sie gemacht und ich bin halb vom Stuhl gekippt, als ich mein Manuskript zurück bekommen habe.

Gut, dass sie kein Rot verwendet hätte, sonst hätte ich mich an die Schule erinnert, denn mein einst so farbloses Buch war nun recht farbenfroh. Schönen Gruß von den Kommas. Und Wortwiederholungen.

Umdenken – ein arbeitsintensiver Prozess

Und das waren erst mal nur die ersten 6 Seiten. Okay, ich brauche ein Lektorat, denn Komma, Wortwiederholungen, leichte Satzumstellungen und Nachfragen, wo etwas unklar ist. Alles Bereiche, die bei mir das Lektorat abgedeckt hat und den Text durch Kleinigkeiten doch so viel verbessern konnte. Habe ich eingesehen, weil vor allem weder der Charakter des Buches noch mein Schreibstil verändert, sondern nur Kleinigkeiten verbessert wurden und somit der Lesefluss und der Lesegenuss immens gesteigert werden.

Nach diesen ersten 6 Seiten habe ich meinen Text zum ersten mal kritisch hinterfragt. Ich habe alles laut vorgelesen und Schachtelsätze entzerrt, Wortwiederholungen gestrichen (es wurden noch genügend gefunden) und Sätze, die mit einem Und anfangen, verändert. Auch einige Kommas eingefügt.

Danach ging es nochmals ins Lektorat.

Es gab noch genug zu tun.

Der Text kam noch recht bunt zurück, doch konnte ich mich auch über „fehlerlose“ Passagen freuen. Es ist eine Mordsarbeit, die mir mittlerweile den höchsten Respekt abverlangt.

Nach meiner Überarbeitung ging er nochmals ins Lektorat und kam mit weiteren kleinen Verbesserungen zurück.

Fazit

Lektorat ist sooooo wichtig. Auch wenn man gut schreibt (was mir auch von meiner Lektorin bestätigt wurde), die Rechtschreibung beherrscht und und und. Aber als Autor ist man viel zu nah am Text. Was aber noch wichtiger war, viel zu nah am Inhalt. Oft stand daneben: „Wie meinst Du das?“ So musste ich des öfteren meinen Text und den Inhalt hinterfragen. Ergänzen, Umformulieren, damit es verständlicher wurde. Ja, für mich war es klar, aber auch für den Leser? Kein Testleser beschäftigt sich so intensiv mit dem Text wie der Lektor, also ein absolut wichtiger und in meinen Augen unverzichtbarer Arbeitsschritt.

Interessant fand ich auch die Ausführungen von Petra Schier, die auch mal auf ihr Lektorat vom Rowohlt-Verlag zu ihrem neuen Roman eingegangen ist.  Schaut mal in ihren Blogbeitrag dazu rein!

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18 Kommentare bis “Ich schreibe ein Buch – Lektorat”

  1. Narayan sagt:

    Hallo, ich habe deinen Bericht gelesen. Fand ihn sehr schön geschrieben. Doch es gibt weit aus mehr Punkte zu beachten, warum ein Lektorat oder eine Autorenförderung so wichtig ist. Zum Einen es ist immer Teamarbeit, manchmal geht es um Inhalte, die man als Autor nicht so wahrnimmt. Zum Anderen erlaubt die Zusammenarbeit auch eine Weiterentwicklung des Schreibers. Viele Denken zu oft an die Rechtschreibung und meinen das genügt. Doch dabei übersehen sie, dass es der Inhalt, die Figuren sind, die den Leser grundlegend in einer Geschichte faszinieren. Rechtschreibung ändert sich heutzutage so schnell. Ich freue mich immer, wenn ich Material meiner Lektorin zusenden kann. Ich schreibe nicht für meine lektorin, sondern auch weil es für mich wie eine Weiterbildung ist! Ich bin auch für Petra Schier dankbar, weil sie oft gute Tipps auch hat für Exposees.

    • Mella sagt:

      Petra ist super und Du sprichst sicher einen interessanten und wichtigen Bereich an. Dieser ist mir wohl nicht so aufgefallen, da ich ja ein Sachbuch schreibe über reale Personen, die ich im Geist nicht entwickeln muss, da sie tagtäglich um mich herum sind.
      Aber Du hast wohl recht, dass nur ein Lektor auffällt, ob sie blass sind oder nicht. Ich als Normalo-Leser kann nur sagen – Buch gefällt mir oder Buch gefällt mir nicht und es wird schon recht schwer zu sagen, warum mir ein Buch nicht so gefällt.

  2. Iris sagt:

    Ich habe im Studium als freie Lektorin gejobbt und kann eigentlich von dieser Seite her auch nur sagen, dass es wirklich gut ist, jemanden das machen zu lassen. Und so absurd es ist: Es sollte nicht nur jemand sein, der sich in Stil und Rechtschreibung auskennt, sondern der vom eigentlichen Thema des Buches nicht so viel versteht. Denn nur so einer Persoon fallen Erklärungslücken, Widersprüche usw. wirklich auf. Es ist völlig normal, dass einem die beim Schreiben durchrutschen, wenn man selbst voll im Thema steckt. Da fehlt einfach der objektive Abstand. Das sehe ich ja auch immer bei der Durchsicht von Schülerarbeiten. Bei denen weiß man zwar, was sie denken, aber sie schreiben es nicht hin. Und das ist wieder schlecht. Darum lasse ich in der Klasse auch oft mal Hausaufgaben von Mitschülern durchgehen und dann in einer Gruppe die beste Version feststellen.

    • Mella sagt:

      Oh ja Iris, da hast Du so recht. Dadurch, dass meine Lektorin keine Ahnung von ADHS hat, hat sie einiges angestrichen, was ich genau so gemeint habe, aber es war nicht klar genug formuliert. Also musste ich es ausformulieren um damit wirklich ahnunglosen Menschen das zu erklären, was genau abläuft.
      Das war eine sehr große Hilfe, vor allem, weil es ja auch meine Zielgruppe ist.

  3. aga80 sagt:

    Oh man das klingt recht umfangreich, aber wenn du deine Texte hinterfragst, wird das natürlich auch in deiner Zukunft bei deinen Texten immer eine weitere Stimme in deinem Hinterkopf bleiben und dir einen weiteren Schritt in Richtung Professionalität weisen.
    Es dürfte interessant werden wo dich diese Reise hinführt.

    Ach ja alles gute zum internationalen Frauentag http://www.buchkritik.org/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif

    • Mella sagt:

      Ja, man fängt automatisch an besser zu schreiben. Ich nutze nun viel mehr Kommas und fange nicht mehr so oft mit Und an. :-)

  4. Claudia sagt:

    Liebe Mella,
    vielen Dank für die schönen Worte. Es hat mir großen Spaß gemacht und ich habe eine Menge über AHDS gelernt.
    Ich freue mich sehr, dass das Lektorat geschätzt wird, denn es ist wirklich viel und zeitintensive Arbeit. Für dich habe ich es wirklich sehr gern gemacht und wünsche deinem Buch, dass es viele zweifelnde und suchende Eltern, Nachbarn, Freunde und Verwandte von betroffenen Kindern erreicht.
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Mella sagt:

      Es freut mich, dass Du das Buch auch als hilfreich empfindest und nicht nur als gut geschrieben ;-)

      • Claudia sagt:

        Es ist ganz sicher hilfreich, abegesehen von deinen Worten auch durch die vielen liebevoll zusammengetragenen Links und Hinweise am Ende des Buches! http://www.buchkritik.org/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif

        • Mella sagt:

          das freut mich. Vermarktung wird eh noch ein höchst interessantes Thema

          • Antonia sagt:

            Hallo liebe Mella,

            ich finde es ganz toll ein solches Thema mal nicht von der ernsten wissenschaftlichen Seite zu lesen sondern gefühlsnah und mit verschiedenen Höhen und Tiefen die nur eine Mutter so miterleben kann. Persönlich habe ich wenig Erfahrung mit ADHS aber ich habe bereits ein anderes Bild darüber und kann mir gut vorstellen, dass sich Betroffene einfach viel besser mit einem solchen Text identifizieren können.
            Bezüglich der Vermarktung haben Freunde von mir hier gute Erfahrungen gemacht: http://www.frieling.de/manuskript-einreichen
            Das Manuskript wird noch einmal von einem Lektor geprüft und man bekommt gleich ein umfangreiches Angebot und das kostenlos. Auch wenn du nicht da Veröffentlichen willst ist es sicher ein guter Anlaufpunkt für eine qualitative Rückmeldung.
            In jedem Fall wünsche ich dir viel Erfolg mit deinem Buch!

          • Mella sagt:

            Danke für den Tipp, werde ich mir mal vormerken.
            Aber ich hatte zum Glück schon ein sehr gutes und liebes Lektorat, aber Vermarktung wird sicher noch ein Thema werden ;-)

  5. Michael sagt:

    Ein schöner Artikel. Danke!

    Auch ich habe mich in meinem Blog kürzlich mit ähnlichen Fragen herumgeschlagen und versucht, das Thema von möglichst vielen Seiten zu beleuchten:

    http://ebooks-autoren.de/lektorat/

    Vielleicht sind da für dich und deine Leser auch noch ein paar erhellende Infos dabei. Es würde mich freuen.

    LG Michael

  6. Peggy Illner sagt:

    Beim Testlesen, haben sich mir wirklich keine Fragen gestellt, weil ich halt im Thema bin und ADHS in meiner Familie erlebe. Da kommt dann eher dieses Aha-Erlebnis und diese Gedanken „ja genauso ist das“. Man ist einfach erleichtert zu lesen, dass andere Familien auch diese Probleme haben und dankbar, weil dort eine Mutter schreibt, die so manch schwierigen Weg für Ihr Kind gegangen ist und dieses nun anderen Familien zu Gute kommen lassen möchte.

    • ClauDia sagt:

      DAS, genau das, hat mich das Lektorat so gerne machen lassen – es hilft denjenigen weiter, die noch auf der Suche nach Antworten und Hilfe sind.
      Und es ist so unendlich liebevoll geschrieben… ♥ und ich durfte auch sehr oft schmunzeln, manchmal musste ich sogar laut auflachen :D
      und und und… na toll! *grins* und (<—- schon wieder http://www.buchkritik.org/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif ) , das nennt sich nun „Lektor?

    • Mella sagt:

      Das hast Du aber lieb gesagt!

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