Interview mit Bettina Szrama

Bild von Bettina Szrama (mit Genehmigung)Von Bettina Szrama habe ich bereits 2 Bücher gelesen. Zudem hat sie bei mir beim Buchwicheln mitgemacht und so habe ich sie kennen gelernt. Ich muss sagen, eine mir sehr sympatische Autorin. Zu ihr sind mir und Bennimaus einige Fragen eingefallen, die ich wirklich gerne von ihr wissen wollte und so habe ich es gewagt sie um mein erstes Interview zu bitten.

Bettina Szrama schreib mit Vorliebe historische Romane, die auf Tatsachen beruhen.

Es freut mich sehr, dass sie zugesagt hat und nun meine Fragen und die Antworten dazu.

1. Ich kenne jetzt zwei Bücher von Dir. Den „Henker von Lemgo“ und „Die Hure und der Meisterdieb“. Dies sind beides historische Romane, die auch auf Tatsachen beruhen. Ich weiß bereits, dass Du in Stadtarchiven fündig wirst. Wie gehst Du da eigentlich vor?

Nun,  zunächst muss ich ein Thema finden, das mir liegt, wo ich mich mit den Protagonisten identifizieren kann. Das kann eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Internet, Bücher wälzen und immer wieder – nein, der oder die Person gefällt mir nicht. Habe ich dann, meistens durch Zufall, etwas in der Historie entdeckt, das mich fesseln könnte, überprüfe ich zunächst wie viele Autoren diese Thematik in ihren historischen Romanen schon aufgegriffen haben. Finde ich nichts, wie bei meinen beiden letzten Geschichten, recherchiere ich erst einmal im Internet. Oder ich fahre wie beim Henker von Lemgo an den Ort des Geschehens. Dann suche ich im Ort das Stadtarchiv auf und informiere mich. Grabe ich hier was interessantes aus und bin so richtig heiß auf die Geschichte, entwickle ich ein provisorisches Expose und belagere als nächstes die Bibliothek in meinem Wohnort. Sie ist dann mein ständiger Partner. Ich beziehe das weitere Material über die Fernleihe und das klappt meist recht gut. In jedem Buch, jedem historischen Aufsatz, finden sich immer wieder neue Anhaltspunkte. Ich habe aber auch oftmals die Landesarchive aufgesucht, wie bei der Giftmischerin und bin hier erst richtig fündig geworden. Naja, und es gibt auch noch Museen und andere Einrichtungen, die, wissenswertes über Kultur, Kleidung usw. bieten.

2. Das klingt nach einer Menge Vorarbeit! Und wie hälst Du es dann mit Deinen Figuren? Sind sie eher so dargestellt, wie sie sich in den Akten zeigen, oder fließt von Deiner Persönlichkeit auch etwas ein?

 Ich versuche die Personen so darzustellen, wie die Historie sie hergibt. Natürlich ist auch ein bisschen Fantasie dabei, so wie beim Henker von Lemgo. Hier gab es zu seinem Äußeren nur Hinweise auf seine langen Haare und seine Größe. Dafür aber viel zu der Person David Clauss. Daraus bastelt dann meine Fantasie ein fertiges Bild. Und ich glaube ich bin der Figur ziemlich nahe gekommen.

3. Die alten Dokumente sind schwer zu entziffern. Einerseits die Sprache, vor allem aber auch die Schrift. Wie hast Du das gelernt?

Das habe ich natürlich nicht nicht gelernt. Wenn man plötzlich vor 200 Hexenprotokollen sitzt, von Gerichtsschreibern saumäßig in der alten Sprache aufgeschrieben, durchgestrichen gekleckst und geschmiert, dann treten zunächst einmal Probleme auf. Aber ist meine Neugierde erst einmal entfacht, bin ich sehr ehrgeizig. Hundertfach vergrößert am PC und ebenso oft durchgelesen bekommen die Sätze irgendwann einen Sinn. Viele Wörter sind unserer heuigen Sprache auch noch sehr ähnlich, wie zum Beispiel das Wörtchen und, früher undt. Wenn es gar nicht klappt, suche ich mir jemanden zum Übersetzen. Da ist ein netter Historiker in Herford, der mir bei der Hinrichtung von Marias Lehrer, Hermann Beschoren, sehr geholfen hat.

4. Wo spielen Deine Geschichten. Kennst Du die Regionen/Orte selbst oder könnte es auch in einer Dir fremden, aber geschichtlich interessanten Stadt spielen?

Ich schreibe regionale historische Kriminalromane. Das heißt, ich versuche meine Umgebung nach interessantem Material abzugrasen, eben den gesamten Raum Niedersachsen und NRW. Aber ich habe auch schon für einen Roman recherchiert, der in Frankreich und Senegal spielt. Irgendwann werde ich mich an diese sehr spektakuläre Geschichte heranwagen. 

5. Mir ist aufgefallen, dass Du es schaffst Deinen Schreibstil der jeweiligen Zeit anzugleichen. Das ist außergewöhnlich, das schaffen nur sehr wenige Autoren. Wie machst Du das?

Man erfährt aus den alten Schriften sehr viel über Umgangsformen und das Miteinander. Bei der Giftmischerin hatte ich das Geständnis der Giftmörderin Gesche Gottfried komplett zur Verfügung. Das war für mich sehr interessant und so bin ich natürlich bestrebt dem Leser auch ein wenig durch die Sprache von der Zeit, in der meine Personen gelebt haben, zu vermitteln. Bei der Giftmischerin war es die Napoleonzeit, die mich besonders faszinierte.

6. Vorher hast Du Tiergeschichten geschrieben. Nun schreibst Du historische Romane. Wie kam es dazu?

Es war ein Hund, genaugenommen ein Boxermischling, der in mir den Wunsch geweckt hat, etwas aufzuschreiben, was Tierfreunde unbedingt erfahren sollten. Dann habe ich mich weiter ausprobiert. Ich habe auch Krimis geschrieben und fantastische Kurzgeschichten. Erst die Geschichte Lemgos hat mich dazu gebracht es mit der Historie zu versuchen. Ich bin seitdem von Lemgo so fasziniert, dass ich noch heute durch die alten Straßen wandle und mich dabei in das 17. Jahrhundert zurück versetzt fühle. Ich hoffe sehr, dass ich dieses Gefühl auf meine Leser übertragen konnte.

7. Dich kann man sehr schwer einschätzen, welche Bücher Dir gefallen könnten. Verrätst Du mir ein oder zwei Bücher, die Du klasse fandest?

Das mag jetzt sich komisch lesen- aber ich lese außer Klassiker keine historischen Romane, weil ich oftmals enttäuscht bin und den Roman nach zehn Seiten endlosen Beschreibungen wieder weglege. Meine Favoriten sind zur Zeit, Bücher wie „Souad“ Bei lebendigem Leib oder „Der Schleier der Angst“  Gerade lese ich „Die Nonne“ von Denis Diderot, sozusagen im Rahmen meiner Recherche für den nächsten historischen Roman. Eine hervorragende Geschichte übrigens.

8. Sag mal, was würdest Du einem jungen Autor mit auf den Weg geben?

Fest an sich glauben. Ein breites Kreuz und Durchhaltevermögen.  Reich werden kann man in der heutigen Zeit wohl kaum noch mit der Schreiberei. Aber wer genügend Ehrgeiz und Eigeninitiative aufbringt und sich niemals aufgibt, schafft es irgendwann seine Geschichte gebunden als Buch in Händen zu halten.

9.Ich habe gesehen, dass Du im Tierschutz sehr aktiv bist.  Magst Du darüber erzählen? Auch welche Tiere du hast?

Meine tierischen Freunde sind eine Boxerhündin, eine kleine französische Bulldogge und einen Doggenmischling. Mit meinem Roman „Trull“ Die Geschichte eines Boxerhundes begann auch mein Weg im Tierschutz. Ich habe in der Vergangenheit alten Boxern, die niemand mehr wollte und die wie Müll entsorgt worden, versucht noch ein paar schöne Jahre zu geben. Ich glaube, das ist mir auch gelungen. Nachzulesen auf meiner Homepage. Einmal habe ich den Versuch gestartet einem Boxer aus sehr schlechter Haltung das Vertrauen in uns Menschen wiederzugeben. Richtig Erfolg hatte ich erst nach vier Jahren hartem Kampf. Leider hat ihn seine Vergangenheit am Ende trotzdem eingeholt. Ich werde diesen putzigen Kerl, der mich trotz seiner Gefährlichkeit immer beeindruckte, nie vergessen und habe auch ihm eine Geschichte gewidmet. 

10. Neugierig wie ich bin habe ich auf Deiner Webseite bereits eine Leseprobe zu Deinem neuen Buch entdeckt. „Die Rache einer Kölner Hexe“  Das klingt total spannend. Ein Mord im Kloster. Darfst Du noch ein wenig mehr verraten?

Aber natürlich kann ich schon ein wenig davon verraten. Diesmal wird es ein heißer spannender Krimi, der in einem Kölner Kloster beginnt. Auf der Suche nach einem weiteren Hexenroman, bin ich auf eine in der Historie am Rande erwähnten Kölner Hexe gestoßen, die 1629 hingerichtet wurde. Sie hatte sich mit erst 24 Jahren selbst der Hexerei angeklagt und unter der Tortur die gesamte Kölner Obrigkeit der Hexerei angeklagt. Das war der Stadt und dem Klerus zu viel. Man ließ die Frau wieder auf freien Fuß, mit dem Rat Köln zu verlassen. Doch sie kam wieder und klagte erneut die Obrigkeit an. Diesmal wurde sie mit all ihren Akten um den Hals verbrannt. Aber sie hat für Wirbel und Angst unter den Reichen gesorgt. Für mich als Autor stellte sich sofort die Frage – warum hat die junge Frau das getan. Niemand macht so etwas, wenn man jung und schön ist.  Dafür musste es einen triftigen Grund gegeben haben und der liegt auf jeden Fall in dem einstigen Kloster „Santa Clara“ begraben.

Vielen lieben Dank, dass Du so viel Geduld mit mir hattest. Nun ist noch ein wenig Platz für Werbung. Wo findet man Dich überall? (z.B. Webseite, Facebook….)

www.autorin-bettinas-schatzkiste.de ,

Facebook, und
Twitter

Es war ein sehr schönes und ich finde auch sehr interessantes Interview! Ich hoffe es gefällt Euch auch.

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Ein Kommentar bis “Interview mit Bettina Szrama”

  1. Susanne K sagt:

    eine sehr sympatische Frau! Und auf den neuen Roman bin ich schon sehr sehr gespannt!!!!:-)

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